Corona: “Hallenschließung in Rheinbreitbach nicht mehr nachvollziehbar”

SV Rheinbreitbach sauer über mangelhafte Kommunikation des Bürgermeisters

Rheinbreitbach  –  „Was in Rheinbreitbach in Sachen Sporthalle abläuft, ist mittlerweile nur noch eine Farce.“ Für den Vorsitzenden des SV Rheinbreitbach (SVR), Michael Schneider, ist nicht mehr nachzuvollziehen, warum die Sporthalle in Rheinbreitbach wegen der Corona-Pandemie immer noch gesperrt ist, während zwei Kilometer weiter in NRW der Trainingsbetrieb längst wieder möglich ist. Nicht nur hier.

„Alle unsere Hallensportabteilungen haben dem Bürgermeister als obersten Entscheidungsträger mittlerweile ein umfangreiches Hygienekonzept vorgelegt, das exakt den Anforderungen und Vorgaben der Hygieneverordnung des Landes Rheinland-Pfalz und des Sportbundes entspricht“, berichtet Schneider. Demzufolge sei Hallensport unter Einhaltung der Regelungen laut Landesregierung ausdrücklich wieder erlaubt. Was indes Rheinbreitbachs Bürgermeister Roland Thelen nicht zu überzeugen scheint.

„Wir haben schon vor Wochen als erste Abteilung des SVR überhaupt ein entsprechendes Konzept entwickelt, das eng mit dem Tischtennisverband Rheinland sowie dem Deutschen Tischtennisbund abgestimmt ist, alle Anforderungen der Landesregierung erfüllt und dem Bürgermeister seither vorliegt“, so Tischtennisabteilungsleiter Klaus Riddering. „Bis heute haben wir auf die konkrete Anfrage, wann wir endlich wieder in die Halle können, nicht einmal eine Antwort erhalten. Aus Kreisen des Gemeinderats sei seinerzeit immerhin durchgesickert, dass Thelen wegen einer Abteilung die Halle nicht wieder öffnen werde, ärgert sich Riddering.

Michael Schneider kann den Unmut seines Abteilungsleiters gut nachvollziehen, zumal Tischtennis nicht einmal ein Kontaktsport sei. Außerdem hätten die Tischtennisspieler aus eigener Tasche erhebliche Mittel und Anstrengungen investiert, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Ähnliches gilt längst auch für andere SVR-Abteilungen wie Volleyball, Badminton oder Gesundheitssport.

Besonders enttäuscht sind die Sportler über die immer neuen Begründungen des Ortsgemeindevorstehers.  Nachdem das Argument „Hygienekonzept“ nicht mehr gezogen hätte, sei es eine fehlende Luftzirkulation in der Halle gewesen. Als diese im Hygienekonzept der Landesregierung nicht mehr auftauchte, hätte eine Empfehlung des Landrates in Neuwied herhalten müssen, der wohl alle Bürgermeister des Kreises Folge leisten, – und jetzt seien es plötzlich fehlende Putzkräfte in der Halle, die während der Corona-Zeit vermutlich aus Gründen der Kosteneinsparung entlassen worden sind. Bürgermeister Thelen habe in Gesprächen zudem darauf verwiesen, dass er in Rheinbreitbach keine Göttinger Verhältnisse haben möchte. Wenn etwas passiere, stünde er als Bürgermeister auch überregional im Brennpunkt und das möchte er vermeiden. „Da die Abteilungen des SVR alle Anforderungen der Landesregierung für die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs erfüllen, können wir über derlei Argumente nur den Kopf schütteln“, so Schneider.

Nun heiße es: So lange Schulsport nicht wieder möglich sei, bleibe die Halle geschlossen. „Schul- und Vereinssport waren schon immer zwei völlig verschiedene paar Stiefel“, wundert sich Schneider. „Mal ganz abgesehen davon, dass die Mitglieder des Sportvereins zur Ausübung ihres Sports Beiträge bezahlen und in vielen Abteilungen Wettkampfsport ausgeübt wird, ist die Regelung, die Hallenöffnung an den Schulsport zu koppeln, in Corona-Zeiten nicht mehr angebracht. Auch die wichtige soziale Funktion des Sportvereins bleibt damit komplett außen vor!“     

 „Natürlich können wir die Ängste unseres ehrenamtlichen Bürgermeisters ein Stück weit nachvollziehen“, so der SVR-Chef. „Das sollte aber nicht dazu führen, dass er sich einfach über Regelungen der Landesregierung Rheinland-Pfalz hinwegsetzt.“ Ein Bürgermeister habe die Interessen aller in seiner Gemeinde wahrzunehmen. 

Um eine Antwort, wie lange der jetzige Zustand beibehalten werden soll, drückt sich Thelen bislang nicht nur gegenüber dem Sportverein, sondern, wie zu hören ist, auch auf entsprechende Nachfragen im Gemeinderat. Für Tischtennisabteilungsleiter Klaus Riddering „ein unhaltbarer Zustand“.  „Unmittelbar nach den Sommerferien starte die neue Punktspielsaison. „Ob wir dann mit unseren vier Mannschaften dabei sein werden, steht völlig in den Sternen. Wenn wir aufgrund der gesperrten Halle nicht spielen können, wäre das sicher gleichbedeutend mit dem Ende des Tischtennis-Wettkampfsports in Rheinbreitbach.“